Unterstützung bei der Examensvorbereitung

6 wei­tere Gra­ti­s­an­ge­bote zum Lernen

von Sabine OlschnerLesedauer: 6 Minuten
Im Internet leisten Professoren und erfolgreiche Absolventen Schützenhilfe bei der Examensvorbereitung – man muss sie nur finden. Hier präsentieren wir Online-Portale, die bundesland- und hochschulübergreifend für (fast) alle da sind.

Das juristische Staatsexamen ist kein Spaziergang. Einige, die es hinter sich haben, möchten ihr Wissen und ihre Erfahrung an Studenten und Kommilitonen weitergeben, damit diese es womöglich leichter haben. Deshalb haben sie aus ihren eigenen Erfahrungen heraus kostenlose Lernangebote entwickelt, die die Lernenden bei der Examensvorbereitung unterstützen sollen - und zwar nicht nur online, sondern auch für (fast) jeden zugänglich. Zum ersten Teil der Reihe "Von Professoren für Studenten – 6 Gratisangebote zum Lernen" bitte hier entlang.

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1/6: Die Saarheimer Fälle

1996 haben Prof. Dr. Klaus Grupp von der Universität des Saarlandes und Prof. Dr. Ulrich Stelkens – früher wissenschaftlicher Mitarbeiter in Saarbrücken, heute bei der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer – damit begonnen, Fälle zum Staats- und Verwaltungsrecht mit ausgearbeiteten Lösungshinweisen ins Internet zu stellen. Diese können Jurastudenten bearbeiten und anhand der Lösungen sehen, ob sie dabei richtig lagen. "Wir lassen alle Fälle in der fiktiven Stadt Saarheim spielen und die Figuren, etwa der Oberbürgermeister Oskar Obenauf, der rechtsgerichtete Verleger Dr. Lautstark oder die Fraktionsvorsitzende von der Partei der Bunten, tauchen immer wieder auf", erklärt Stelkens. Hinzu kommen Zeichnungen der Personen und der Stadt. In Stadtrundgängen zu Baurecht, Kommunalrecht oder Polizeirecht können Nutzer sich in die unterschiedlichen, examensrelevanten Rechtsgebiete des Öffentlichen Rechts einarbeiten. 116 Fälle mit Lösungen gibt es mittlerweile aus dem fiktiven Saarheim. Sie werden regelmäßig an aktuelle Rechtsprechung und Gesetze angepasst. "Zwar ist bei der Lösung vieler Fälle das saarländische Landesrecht zu Grunde zu legen, aber durch Verweise auf die Rechtslage in anderen Bundesländern kann der Inhalt von Studierenden bundesweit genutzt werden", sagt der Professor aus Speyer. Seit 2009 gibt es auch ein von Stelkens mit ins Leben gerufenes Spin-off an der FU Berlin: die Hauptstadtfälle, eine kleinere Ausgabe der Saarheimer Fälle sozusagen. Nun erinnert das Design der Saarheim-Seiten den modernen Internetnutzer mit seinem Retro-Look an die Anfangszeiten des World Wide Web, in denen Tageszeitungen noch von der "schnellen Datenautobahn" schrieben. "Dafür ist das wohl älteste und umfangreichste E-Learning-Projekt im Bereich der Rechtswissenschaften inhaltlich top-aktuell", betont Stelkens.

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2/6: Juratopia

Lucas Kleinschmitt weiß, wovon er spricht: Der Jurist hat an der Bucerius Law School und der University of Cambridge studiert und sich selber durch das erste und zweite Staatsexamen gekämpft. Um nachfolgenden Generationen zu zeigen, was dabei gut geklappt hat und was hätte besser laufen können, rief er 2013 während seines Referendariats das Portal Juratopia samt einem Blog ins Leben. Hier gibt er zum Beispiel Tipps zu Lernmaterialien und bietet für Referendare einen E-Mail-Kurs für die Lernorganisation vor dem zweiten Staatsexamen an. "Teilnehmer bekommen von mir je nach zeitlichem Abstand zu ihrem Examen zeitgesteuerte E-Mails mit Informationen geschickt: beispielsweise Erfahrungen zur Organisation des Referendariats, einen Übungsklausurenplaner oder ein Planungstool für den letzten Monat des Lernens", erklärt Kleinschmitt. Für Studenten vor dem ersten Examen gibt es einen ähnlichen E-Mail-Kurs zu bewährten Lerntechniken. Zusammen mit dem Bewerbungscoach Sven Emmrich hat Kleinschmitt zudem einen E-Mail Kurs mit Bewerbungstipps entwickelt. "Alle Angebote auf Juratopia sind kostenlos. Zurzeit plane ich auch nicht, das zu ändern", sagt der Jurist. "Es macht mir einfach Spaß, mich mit dem Internet und dem Bloggen zu beschäftigen." Ein paar Euro setzt er mit Werbung und Kooperationen um und finanziert so vor allem die Technik hinter dem Portal. Sein hauptberufliches Standbein ist natürlich die Arbeit als Anwalt.

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3/6: E-Learning aus Passau

Prof. Michael Beurskens von der Universität Passau befasst sich schon seit seinem ersten Examen im Jahr 2000 mit E-Learning speziell für Juristen. Aktuell bietet er zum einen interaktive Lehreinheiten zum Gesellschaftsrecht, Handelsrecht, Schuldrecht und BGB AT an. Einheiten zu Sachenrecht, Kartellrecht und Urheberrecht sind in Vorbereitung. Zum anderen hat er Multiple-Choice-Tests, Karteikarten, interaktive Falllösungen und Schemata für die Examensvorbereitung entwickelt. "Darüber hinaus erstelle ich Lehrvideos, die bei Youtube oder in den Mediatheken der Universitäten in Passau, Bonn oder Düsseldorf gespeichert sind", sagt der Professor, der seine Angebote vorrangig für Studierende dieser drei Universitäten konzipiert. Prinzipiell kann sich jedoch jeder für die Nutzung anmelden. Öffentlich zugängliche Videos gibt es in den Mediatheken der Universität Düsseldorf und der Universität Bonn. "Die Studierenden können das Angebot als Ergänzung zur klassischen Präsenzlehre und zur selbstständigen Vor- beziehungsweise Nachbereitung nutzen", sagt Beurskens, der sich über jeden Nutzer freut. Bislang nähmen – je nach Jahrgang – etwa 40 bis 80 Examenskandidaten deutschlandweit die E-Learning-Angebote in Anspruch.

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4/6: Juralib

Vor zehn Jahren haben sich Fritz Mehler und Manuel Lomb auf ihr juristisches Examen vorbereitet. Was ihnen am meisten dabei geholfen hat, waren Mindmaps: "Indem man die Lösungen für Fälle in einer Mindmap skizziert und dabei mit Linien und bunten Farben arbeitet, kann sich das Gehirn das Gelernte besser merken", weiß Mehler aus der Psychologie über Lernmethoden. Weil er und sein Kommilitone von dieser Herangehensweise so überzeugt waren, haben sie ihre Mindmaps auf ihrer Online-Plattform Juralib veröffentlicht und damit auch für andere Jurastudenten verfügbar gemacht. Seitdem werden ihre Mindmaps von anderen bearbeitet oder ergänzt oder es werden neue Mindmaps auf die Plattform eingestellt. Rund 10.000 Studenten haben in den vergangenen Jahren bereits an 900 zur Verfügung stehenden Mindmaps gearbeitet. "Wir haben unser Angebot nie aktiv beworben", sagt Fritz Mehler. "Trotzdem haben wir einen stetigen Zuwachs an Nutzern. Das Interesse an digitalen Lernmedien nimmt weiter zu", so seine Beobachtung.

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5/6: SEE von der FAU

Zunächst hat der Fachbereich Rechtswissenschaften der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) seine Sammlung examensrelevanter Entscheidungen (SEE) nur für Studierende der FAU ins Internet gesetzt. "Mittlerweile ist eine beachtliche Sammlung von rund 100 Entscheidungsanalysen entstanden", sagt Michael Keuchen, wissenschaftlicher Mitarbeiter
und E-Learning-Koordinator für den Fachbereich Rechtswissenschaft. "Die Resonanz der Studierenden ist sehr positiv, sodass wir seit Mai 2018 auch Studierende anderer Universitäten an unserer Sammlung partizipieren lassen." Die SEE ist eine multimediale Entscheidungsdatenbank und kann über das E-Learning-Portal der FAU genutzt werden. Das Besondere an den Entscheidungsbesprechungen: Studenten haben interaktive Videos dazu erstellt. "Durch verschiedene Verständnisübungen erfassen die angehenden Juristen die Problemstellung des Falls und können den Stoff gezielt wiederholen", erklärt Keuchen. Daneben steht den Lernenden eine kurze schriftliche Entscheidungsanalyse zur Verfügung. "Das Angebot ist wegen der simulierten Lerngruppenatmosphäre eine willkommene Abwechslung zum Studium", sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter. "Gerade die junge Zielgruppe, die sich viel mit Youtube beschäftigt, findet sich in dem Projekt sehr schnell zurecht."

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6/6: Jurexit

Dieses Angebot richtet sich "nur" an Jurastudenten aus Berlin und Brandenburg: Studenten und Absolventen von der Freien Universität Berlin und der Humboldt Universität zu Berlin sowie von der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder und der Universität Potsdam haben sich zusammengetan, um Examenskandidaten bei der Vorbereitung auf die erste juristische Prüfung zu unterstützen. "Wir haben alle während der Examensvorbereitung gelitten und Anfang 2017 unser Netzwerk aus dieser Unzufriedenheit heraus gegründet", berichtet Leon Brandt, einer der Gründer. Er macht derzeit eine Pause vor dem Start seines Referendariats und hofft zusammen mit seinem Team, dass die nächste Generation bald nachwächst und das Netzwerk weiterführt. Die derzeit rund 15 bis 20 Aktiven organisieren Informationsveranstaltungen, in denen sie erklären, wie man sich auch ohne ein kommerzielles Repetitorium auf sein Examen vorbereiten kann. Außerdem geben sie Tipps zur Entwicklung eines eigenen Lernplans. In unregelmäßigen Abständen finden Treffen mit erfolgreichen Absolventen und Studenten, die das Examen noch vor sich haben, statt, bei denen diese sich austauschen und zum Beispiel Fragen zur Organisation des Repetitoriums, zur Anmeldung zum Staatsexamen oder zu anderen Problemen stellen können. Nicht zuletzt bietet die Jurexit-Seite eine digitale Lerngruppenbörse, auf der Interessenten auf die Suche nach Mitgliedern für eine Lerngruppe gehen können.

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